Was wurde aus .. ?
Uwe Adamski

Uwe Adamski, Dipl.-Ing.
Barsinghausen

Entlassjahrgang 1973 b
Klasse von Herrn Carstens



Als 1973er Absolvent verliess ich unsere "Lehranstalt" mit recht gemischten Gefühlen. Ein eher negatives "Gschmäckle" hinterliess bei mir die damalige Überfülle an vermitteltem Lehrstoff (Paukhölle Fabry!) sowie der Umstand, dass man auf einer Jungensrealschule schlecht an eine Freundin rankam...

Gut fand ich die Kameradschaft unter den Jungs und aus heutiger Sicht die Tatsache, dass man es meist mit "Normalos" zu Tun hatte.
Jugendliche Scheidungskrüppel, Prügelknechte, Kampfhundehalter, Junkies und sonstige "Auffällige" gabīs damals noch kaum oder gar nicht.
Die erste "richtige" Lebensabschnittsbeziehung kam dann erst nach meinem Übertritt in das (geschlechtlich gemischte) Gymnasium in Wuppertal- Barmen zustande , die hielt dann aber auch über sechs Jahre!

1976 schloss ich dann mehr schlecht als recht mit dem Abi ab, nachdem ich drei Jahre lang alle Organisationsschwächen des damals neu eingeführten Kurssystems weidlich ausgenutzt hatte, z.B. durch Schwänzen diverser Unterrichtsangebote wie Sport und Lehrangebote mir unangenehmer Pädagogen.

Im Sommer ging ich dann im Genuss der neugewonnen Freiheit und ohne feste Pläne für die Zukunft mit Freunden für Monate auf die Walz nach Norddeutschland und Skandinavien. Natürlich alles per Drahtesel, mehr hätte das ohnehin schmale Budget nicht hergegeben.

Nach einer ausgiebigen Überwinterung entschloss ich mich dann im Frühjahr 1977, eine Lehre als Gärtner zu beginnen. Umweltschutz war damals in aller Munde, an jedem dritten Kfz klebte "Atomkraft nein danke", und Grünzeug mochte ich eigentlich schon immer. Gesagt, getan, Lehrstelle suchen, was aber auch schon damals mit allerlei Klinkenputzen verbunden war.

Das im Erwerbsgartenbau mehr Chemie und Gifte Verwendung finden als in vielen Industriezweigen, hatte mir vorher natürlich noch niemand gesagt! Immerhin lernte ich dort konzentriertes manuelles Arbeiten und schloss 1979 mit dem Diplom als "Gärtnergehilfe" ab.

Danach aber nichts wie raus in die Freiheit und von den dürftigen Ersparnissen ein Jahr Alternativurlaub in Spanien gegönnt!
Dabei fast zwangsverheiratet (Generalissimo Franco war erst vier Jahre tot, und Spanien war noch sehr katholisch), die Flucht ergriffen und per Interrail zurück nach Deutschland.
Soweit zu den Jugendsünden.

Im Sommer 1980 entschied ich mich schliesslich, immer noch grün angehaucht, zum Studium der Agrarwissenschaften an der Uni Hannover. Absolventen dieses Studiengangs wurden meist die späteren Aspiranten für die Leitung von öfftl. Garten-, Forst- und Friedhofsämtern.
Daraus wurde in meinem Fall trotz erfolgreichem Abschluss als Agraringenieur 1985 nichts, da die Kommunen derartige Stellen just in diesem Zeitraum abschafften oder Planstellen nicht neu besetzten. Dumm gelaufen!

Während meines Studiums hatte ich Kontakte zu diversen Studenten und Doktoranden aus der VR China, die sich damals gerade politisch und wirtschaftlich zu öffnen begann. Aufgrund der schlechten Perspektiven im erlernten "Beruf" entschloss ich mich letztendlich auf Anregung meiner chinesischen Freunde, in den Asienhandel einzusteigen, was ich bis heute mehr oder weniger erfolgreich betreibe und eigentlich auch nicht bereue.

Der Vorteil bestand für mich in zahlreichen Reisen nach Ostasien, relativ guten Verdienstmöglichkeiten und dem Erwerb einer gewissen Weltläufigkeit, vor allem im Umgang mit der "Denke" anderer Kulturen.

Als Sackgasse hat sich dagegen meine weiterführende Schul- und Berufsausbildung erwiesen. Diese rund zehn Jahre hätte ich mir eigentlich, aus der Rückschau betrachtet, auch schenken können.
Aber da bin ich wohl in bester Gesellschaft vieler anderer mit Patchwork- Karriere.

Ich gehe heute allmählich auf die fünfzig zu, bin verheiratet mit zwei Töchtern und lebe seit zehn Jahren in einem kleinen Ort westlich von Hannover.
Was mir die Fabry letztendlich gegeben hat?

Ich denke, in der Hauptsache die Fähigkeit zu konzentriertem Lernen, zu Arbeitsdisziplin und der Respekt vor in der Hierarchie höherstehenden, nämlich unseren verehrten Steisstrommlern.
Und ich denke, mehr konnte man von einer Schule dieser Kategorie in unserer Zeit nicht verlangen!

Stand: 30.12.2005
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