Der Meister himself


Portrait von Lehrer
Hans Stein
21.11.1903 - 26.08.1988

Hans Stein
oder
die Reaktivierung Altgedienter

Hans Stein Viele meiner Mitstreiter der 5b von 1967 bis 1973 werden sich noch unseren ersten Klassenlehrer Hans Stein erinnern.

Es war die Zeit der geburtenstarken Jahrgänge, des akuten Lehrer mangels (u.a. durch Kriegsverluste) und der daraus folgenden zeitweisen Einführung von "Kurzschuljahren"..

Aus diesem Grund wurden in Einzelfällen bereits pensionierte "Steißtrommler" reaktiviert, so wohl auch Hans Stein.
Für uns damals 10-12jährige Bengels hieß das Unterricht mit einer Klasse von anfangs 42 Schülern, in den Folgejahren wurden es dann allmählich weniger, da einige den damals strammen Leistungsanforderungen nicht mehr folgen konnten und schlicht "gegangen wurden".

Hans Stein war ein absolutes rheinisches Original mit typischem Mutterwitz und selbst für die damalige Zeit sehr konservativer Unterrichtsmethodik. Heute würde Pädagogen sagen, es herrschte streng lehrerzentrierter Unterricht. Wir hatten vor allem Deutsch, Geographie (hieß damals noch Erdkunde) und gelegentlich "Bio".

Der Unterricht lief folgendermaßen ab: .
Bei Eintreten des Pädagogen sprang alles von den Stühlen auf und stand stramm, bis das Kommando "Sitzen!" ertönte. Danach wurden einzelne Schüler nach vorne zitiert und zum Unterrichtsstoff der vergangenen Sitzung befragt.
Die Ergebnisse wurden benotet, was im Einzelfall auch schon mal zum gefürchteten Steinīschen Spruch "Sitzen, Fünf, Zwei Seiten!" (*) führen konnte. Die "zwei Seiten" bedeuteten dabei Strafabschrift aus dem Lehrbuch, die bis zum nächsten Unterricht vorzulegen waren. Klar, daß bei uns deshalb die ersten Unterrichtsminuten immer besonders "beliebt" waren.

Nach dem "Abhören" wurde uns neuer Lernstoff eingebleut in der Form, daß Schüler Abschnitte aus dem Schulbuch vorlesen mußten. Debatten oder Rückfragen, neudeutsch "feed back" gab es dabei nicht. Am Schluß der Lektion wurde verkündet, welche Seiten des Lehrbuchs bis zum nächsten Mal zu lernen seien.

 Nor ein wönziges Schlöckchen Mit unserem Klassenlehrer unternahmen wir zwei Klassenfahrten, einmal nach nach Aachen und ins Kloster Maria Laach.
Nach der Rückfahrt gab es Ärger für Schüler und Lehrer, da wir den eigentlich für unsere Eltern bestimmten Klosterlikör ausgiebig selbst verköstigten und entsprechend angeheitert bei unseren Eltern ankamen.


Hans Stein war einer letzten Pädagogen in der Schule, der noch die Prügelstrafe verabreichte. Damals war das Gesetz auch noch auf seiner Seite, da in NRW als letztem Bundesland die körperliche Züchtigung von Schülern erst 1971 verboten wurde.

Ein Baststock lag zu diesem Zweck stets griffbereit im Lehrerpult. Bei Verstößen mußte der Schüler sich dann über das besagte legen, und es gab "Hooonich", nämlich zehn Hiebe aufīs Hinterteil.
Gelegentlich haben Eltern schon damals gegen das "Vermöbeln" ihrer Sprößlinge Protest eingelegt, aber wohl ohne Erfolg.

Trotz seiner rigiden Maßnamen war unser Klassenlehrer in Schülerkreisen nicht unbeliebt, wohl wegen seiner gleichzeitig ausgeprägten rheinischen Frohnatur.
Zum Abschied im Sommer 1969 gabīs daher von uns ein großes Glas "Hooonich", über das er sich sehr gefreut hat.

Ich denke, meine Mitschüler und ich werden Hans Stein als den Vertreter einer Lehrergeneration in Erinnerung behalten, die es damals an unserer Schule schon fast nicht mehr gab, den wir - weil wir es nicht anders wußten - dennoch tief respektierten und heute als Kind seiner Zeit akzeptieren.

Uwe Adamski
Entlaßjahrgang 1973

(*) Aus meiner Erinnerung klang der Spruch in seiner vollen Länge bei erheblichen Missetaten wie folgt:
Sitzen; Fünf ; drei drüber; Eintrag ins Klassenbuch; Brief an die Eltern".
Dies war 10 Jahre vorher und da hatte wohl die Altersweisheit noch nicht Platz gegriffen. Nicht nur das Hinterteil mußte gelegentlich dran glauben, auch die Hände auf dem Pult waren durchaus Ziel schneller Zugriffe.

Ich meine mich nach über 40 Jahren daran zu erinnern, daß unsererseits deswegen keine Randale gemacht wurde. Die Spielregeln waren absolut klar und in den eigenen vier Wänden erfolgte die Erziehung ebenfalls nicht nach modernsten pädagogischen Gesichtspunkten.

Dietmar Jendreyzik - Entlaßjahrgang 1962

Lehrer Stein gab auch Zeichenunterricht.
Das war für alle sehr entspannend, denn es wurde das alte Schul-Röhrenradio aufgestellt und entweder Musik oder Schulfunk gehört, den es zu unserer Zeit ja noch gab.
Uns Schülern wurde ein Thema vorgegeben, dass wir zu malen hatten und Lehrer Stein verschanzte sich gemütlich hinter seiner Zeitung.
Nur ab und zu schaute er über den Zeitungsrand um zu prüfen, dass wir keinen Unsinn machten oder um sich mit seinen geliebten Knöterich-Pastillen zu versorgen, ohne die er, wie er stets sagte, sich ein Leben nicht mehr vorstellen konnte.

Wenn wir im Geschichtsunterricht mal eine "Auszeit" wollten, versuchten wir Lehrer Stein auf seine legendären Radtouren anzusprechen.
Meistens ging er auf das Thema ein und erzählte uns seine teilweise sehr spannenden Abenteuer, die er bei seinen Touren durch ganz Deutschland erlebte.
Eine Horrorgeschichte war z.B. wie er bei einer Bergabfahrt in Bayern mit rot glühender und dadurch unwirksamer Rücktrittbremse nur noch dadurch seine Sturzfahrt stoppen konnte, indem der mit dem Fuß gegen das Schutzblech des Vorderrades trat und so einem Unglück entkam.

Dieter Dahlke (6a 1963)

Einige Lebensdaten von Lehrer Hans Stein
geboren 21. November 1903 in Neunkirchen/Saar,
verstorben am 26. August 1988 in Düsseldorf

Nach dem Staatsexamen einige Stellen als Lehrer an verschiedenen Fürsorgeanstalten, da Junglehrer Anfang der 30iger Jahre schwierige Zeiten hatten, u.a. Lehrer für Deutsch und Geschichte am Franziskaner-Priesterseminar in Sittard /NL.

Erste Planstelle an der Volksschule Erkrath, versetzt 1940 wegen seiner Holländisch - Kennisse an die deutsche Schule in Kerkrade und später als Rektor an die deutsche Schule in Winterswijk.

Nach 1945 Wiederbeginn als Aushilfslehrer an der Düsseldorfer Volksschule Essener Straße. Realschullehrerexamen und Dienst in der Gemeinschaftsschule Schulstraße (damals unter Rektor Deckert). Dort war er schon zusammen mit Hans-Günter Eckerth.
Von 1955 - 1968 Lehrer an der Wilhelm - Fabry - Realschule Hilden.
Als Pensionär noch Abendschullehrer der DAG-Schule in Düsseldorf
DJ 

Stand: 17.02.2006

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