Der Meister himself


Nachrufe auf Lehrer
Hans-Jürgen Schlechtriem
u.a. aus "FABRYZIERT"

Der Tod des Herrn Schlechtriem
aus Schülerzeitung FABRYZIERT (4/85)

Wie alle mitbekommen haben, ist ein Lehrer unserer Schule (Herr Schlechtriem) im Alter von 45 Jahren gestorben.
In diesem Artikel möchte ich die ersten Reaktionen nach der Nachricht seines Todes aufschreiben. Einige begriffen es nicht und grinsten, andere dachten an die nachkommenden Stunden und wieder andere dachten daran, daß Herr Schlechtriem im Endeffekt ganz in Ordnung war.

Hans-Jürgen Schlechtriem 1983 Den Lehrern war deutlich anzumerken, daß sie sehr mitgenommen waren und es nicht begreifen wollten. uch Lehrer, die erst dieses Schuljahr zu uns kamen, waren ziemlich betroffen. Es gab auch Lehrer, die das Ganze so mitnahm, daß sie auf dem Schulhof die Tränen nicht mehr zurückhalten konnten.
Herr Schlechtriem war schon einmal sehr schwer krank. Danach war er wieder von ganzen Herzen Lehrer. Er hat versucht den Schülern all sein Wissen zu vermitteln und sie von seinem Glauben zu überzeugen.

Ich glaube, daß nicht nur die Lehrer noch lange an Herrn Schlechtriem zurückdenken werden.

Conny Stolz 10c
und die ganze Redaktion der "Fabryziert"

Die Reaktion der Todesnachricht !
aus Schülerzeitung FABRYZIERT (4/85)

Ich glaube, zuerst einmal freute sich Jeder, daß die Pause länger war.
Selbst wir rieben uns kräftig die Hände. Dann eine Bemerkung von Herrn Niespodziany und in Sekundenbruchteilen war Totenstille.

Die Schüler waren sehr überrascht, sehr betroffen, geradezu traurig. Das kam wie ein Schock, eine Nachricht, die wirklich fast alle traf. "Herr Schlechtriem starb letzte Nacht".
Der Satz, der irgendwie alle Gedanken total durcheinander warf.

Die Pause begann, nachdenklich betroffen und gestimmt traten die ersten Schüler auf den Schulhof. Lehrer (die sogar in dieser Pause Aufsicht machten) weinten betroffen.
Gerade dieser Lehrer, 15 Jahre diente der 45 Jahre junge Mann unserer Schule.
Sein ganzes Leben widmete er dem Lernen. Eine Zeit, die auch für uns Schüler unvergeßlich ist.

Viele Lehrer konnten in den Stunden die Tränen kaum zurückhalten. Selbst (man erkenne es an! ) im Rosengarten herrschte Stille. Ein Gedenken an Herrn Schlechtriem.
Viele Schüler sind gern zur Beerdigung gegangen.
Man hatte den Schulunterricht extra gekürzt, damit Schüler, die an ihren Lehrer denken, zu der Beerdigung gehen konnten.

Nicole Kerp 10c

HANS-JÜRGEN SCHLECHTRIEM
oder
DAS WANDERN IST DES LEHRERS LUST

von Uwe Adamski (Dezember 2002)

Mit Erstaunen und Betroffenheit erfuhr ich erst vor kurzem, daß unser Klassenlehrer der 7b und 8b von 1969 bis 1971, Hans -Jürgen Schlechtriem, bereits 1985 im Alter von erst 45 Jahren verstorben ist.

H.-J. Schlechtriem übernahm unsere Klasse von Hans Stein, der wohl im Anschluß endgültig in den wohlverdienten Ruhestand ging. Als Vertreter einer jüngeren Lehrergeneration, wenn auch kein 68er, unterrichtete er uns in Mathematik, zeitweise in Physik und später auch in ev. Religion.
Bei letzterem gab es in den Elternhäusern zuweilen Krach, da der Besuch des Religionsunterrichts damals zu einer freiwilligen Angelegenheit wurde und viele von uns sich gerne "gedrückt" hätten.

Letztendlich entschieden sich jedoch die meisten Eltern für die Teilnahme, teils aus Überzeugung, teils aus Opportunismus, um es "sich mit dem Klassenlehrer nicht zu verderben".

H.-J. Schlechtriem galt bei uns als autoritär, aber gerecht. Rückfragen im Unterricht bei Verständnisproblemen waren erlaubt, wurden aber oft mit der Bemerkung "Da mußt Du eben noch mal ins Buch gucken!" abgebügelt. Er wollte halt seinen Lehrplan über die Zeit retten.

Für die nachwachsenden Generationen vielleicht heute amüsant, für uns damals völlig normal, war, daß wir von fast allen Lehrern mit dem Nachnamen und natürlich mit  "Du" angeredet wurden. Bei uns Schülern hatte H.-J. Schlechtriem aufgrund seiner hochaufgeschossenen, damals etwas schlaksigen Figur und seiner starken Brillengläser, im Sommer mit hochklappbaren Lichtfiltern, das "Image" eines "ewigen Junggesellen".

Daß er auch ein zutiefst religiöser Mensch war, erfuhr ich erstmals nach dem frühen Tod meiner Mutter, als er mir kurze Zeit darauf in einem äußerst persönlichen Gespräch Trost und Mut zusprach. Seither hat sich mein Bild über ihn um eine sehr menschliche Komponente erweitert.

Den meisten meiner Klassenkameraden dürfte H.-J. Schlechtriem jedoch durch die zahlreichen Klassenfahrten in Erinnerung geblieben sein, die wir mit ihm unternahmen. Soweit ich mich erinnere, stammte er aus der Eifel und galt als äußerst ausflugs- und wanderfreudig.
Wir unternahmen abwechselnd Rheinfahrten mit Wanderungen durch die reizvollen Landschaften zu beiden Seiten.
Manchmal artete dies in regelrechte Gewaltmärsche aus, die die meisten von uns damals zwölf- bis vierzehnjährigen jedoch mehr oder weniger klaglos hinnahmen.
Übernachtet wurde in Jugendherbergen, wobei uns unser Klassenlehrer gelegentlich auch vor "Kommißköppen" als Herbergsvätern in Schutz nahm, die uns "Schliff" beibringen wollten, insbesondere beim Bettenbauen.

Für uns Schüler der damaligen Zeit wird uns Hans- Jürgen Schlechtriem als ein Lehrer der "Zwischengeneration" in Erinnerung bleiben, dem übertrieben autoritäres Gehabe der älteren Lehrer bereits abging, der sich dem "Lehrer als Kumpel- Typ" der nachfolgenden 68er aber auch noch nicht verschreiben konnte und wollte.
Mein Eindruck war, er war mit Leib und Seele Pädagoge seiner Zeit.

Stand: 13.12.2002

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