Der Meister himself


Lehrer Alfred Haase
1894 - 1982

Realschullehrer Alfred Haase
ein Mann der ersten Stunde

Am 13.10. 1894 in Breslau geboren.
Nach Besuch von Präparandie (1909 - 1912 ) und Lehrerseminar ( 1912-- 1914 ) in Prausnitz und Oels in Schlesien im August 1914 erste Lehrerprüfung.

Von 1914 bis 1927 Volksschullehrer an verschiedenen Schulen, vorwiegend in Pannwitz, Kreis Trebnitz/Schlesien. Zwischendurch zeitweilig Soldat im 1. Weltkrieg.

1921 Heirat mit einer Lehrertochter.
1923 Geburt einer Tochter und 1925 eines Sohnes.

Nach Fortbildung 1926 Mittelschullehrerprüfung ( Fächer: Deutsch, Französisch 1929 und 1931 noch Ergänzungsprüfungen in Englisch und Geschichte.

1927 bis 1945
Lehrer an der Mittelschule in Brockau, Kreis Breslau.
Dezember 1944 stirbt der Sohn Friedhelm als Soldat in Ungarn.

1945 Vertreibung aus Schlesien und zunächst Niederlassung in Niedersedlitz bei Dresden.

1947 Übersiedlung nach Hilden. Hier vorübergehende Tätigkeiten an der Augustaschule und am Helmholtz-Gymnasium sowie an der neuerrichteten Realschule Haan.
Von 1950 bis 1955 Mittelschullehrer in Wuppertal-Vohwinkel.
1952 heiratet die Tochter Renate den Realschullehrer Ernst Kunstmann.

Von April 1955 Mittelschullehrer an der neu gegründeten "Städtischen Knabenrealschule in Hilden ( später "Wilhelm-Fabry-Realschule") 1.4.1957 Pensionierung.

Neben der schulischen Aufgaben mehrere Jahrzehnte hindurch Arbeit an einem englischen Wertigkeitswörterbuch, dessen kleine Ausführung 1959 im Diesterweg-Verlag erscheint ('Englisches Arbeitswörterbuch").

Im Mai 1973 stirbt seine Ehefrau und an Heiligabend des gleichen Jahres seine Tochter. Ein Schlaganfall im Februar 1977 führt zu langjährigem Krankenlager, bis er am 12. Dezember 1982 in Düsseldorf stirbt.

Mit Dank an Ernst Kunstmann für diese Lebensdaten

Eckart Häfker:
Meine Erinnerungen an Lehrer Alfred Haase
(Englisch und Deutsch)

Auch damals gab es schon Pädagogen, die ihren Beruf liebten und den Schülern ein Partner waren. Er war streng, ließ sich aber immer wieder erweichen und mit sich handeln. Das heisst, er konnte fuchsteufelswild werden, wenn er merkte, dass man nicht gearbeitet hatte, wobei er sehr gut unterscheiden konnte, ob man faul war, oder ob man etwas einfach nicht kapiert hatte. Wenn allerdings seine Zensur am Ende eines Schuljahres ausschlaggebend war, ob jemand versetzt wurde, oder nicht, redete er mit demjenigen und es erschien auf dem Zeugnis die "wohlwollende" Zensur. Natürlich musste derjenige im folgenden Halbjahr dann das Vertrauen rechtfertigen, d.h. arbeiten.

Auch ausserhalb der Schule war er bei Problemen, die seine Schüler hatten, stets zur Stelle und man konnte mit ihm alles bereden. Wir hatten Herrn Haase nur ein paar Jahre als Klassenlehrer und er wurde durch seinen Schwiegersohn Herrn Kunstmann abgelöst.

Als Beispiel, aus welchem Holz Herr Haase geschnitzt war, möchte ich folgendes Beispiel erzählen. Ich habe es auch erst vor ein paar Jahren erfahren.

Deutschland war damals zerstört und Ruinen gehörten noch zum normalen Straßenbild. Es gab in den ersten Jahren der Schule noch sehr viele Familien in finanziellen Schwierigkeiten. Es musste das Schulgeld aufgebracht werden (was es damals noch gab), die Bücher mussten selbst gekauft werden, u.s.w.
Dazu kam, dass viele Familien eine Flucht hinter sich hatten, entwurzelt hier ankamen, ausgebombt waren, den Ernährer verloren hatten u.s.w. Es war schließlich erst 5 Jahre her, seit sich die Situation wieder halbwegs normalisiert hatte, Geld etwas wert war und Deutschland wieder aufgebaut wurde.

Herr an Huef, unser Direktor und Herr Haase stellten fest, dass manche Schüler aufgrund von finanziellen Problemen nicht mehr auf der Schule bleiben konnten oder wollten. In der Situation machten sich die Beiden auf und besuchten Familien, denen es besser ging und baten diese, eine Patenschaft oder Ähnliches für Schüler zu übernehmen.
Die Schüler und Eltern der unterstützten Schüler haben das nie erfahren und es war eine streng geheime Absprache, um niemanden zu beschämen. Es hieß immer, das seien Landesmittel, die es damals sicher noch nicht in dem Maße gab. Deutschland war schließlich pleite und zerstört.

Kann man sich eine so selbstlose Aktion von Lehrern heute noch vorstellen ? Und das am Ende ihrer Dienstzeit, kurz vor der Pensionierung?

Ich habe Herrn Haase in äußerst guter Erinnerung.

Stand: 27.08.2003

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