Der Meister himself


Schülerzeitung
FABRYZIERT

Unsere Unterrichtsfahrt nach Amsterdam 1986


aus FABRYZIERT 5 / 1986

Dienstag, 10. Juni 1986, 7 Uhr morgens.
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 c warten an diesem sehr warmen Frühsommertag auf den Reisebus, der sie mitsamt seinen Lehrern, Frau Thieleker und Herrn Lorenz, nach Amsterdam zum Anne-Frank-Museum bringen soll. Der Anlaß ist eine Unterrichtsfahrt, die die Lektüre und Besprechung des "Tagebuch der Anne Frank" im Deutschunterricht abschließen soll.

(c) Anne Frank Museum

Nach fast drei Stunden Fahrt im heißen Bus, aber mit blendender Laune, sind wir endlich da, die ersten Eindrücke der Stadt wirken vielversprechend.
Am Busparkplatz werden wir erst mal in Gruppen eingeteilt und mit Stadtplänen ausgestattet, nach denen wir nun zum Anne-Frank-Haus laufen, vorbei am Reichsmuseum in die Prinsengracht. Das Anne-Frank-Haus ist ein Haus wie viele andere in Alt-Amsterdam. Es wurde 1635 als Kaufmannshaus gebaut, hat aber seitdem viele Veränderungen erlebt.

Aufgrund des Tageslichts, was man haben wollte, hat man die Häuser nicht unbegrenzt tief gebaut, sondern baute zwei Häuser hintereinander. Ein Vorderhaus, nach einem kleinen Lichthof ein Hinterhaus. In solch einem Hinterhaus hielten sich auch die Familien Frank, van Daan und Dussel versteckt.

(c) Anne Frank Museum

Das Haus ist heute ein Museum.
Es wird von der Anne-Frank-Stiftung unterhalten, die im Mai 1957 gegründet wurde, um in erster Linie die Erhaltung des durch das Tagebuch weltweit berühmt gewordenen Hauses zu sichern. Vor diesem berühmten Haus stehen wir nun und können gar nicht glauben, daß diese ruhige und verträumte Gegend früher einmal Schauplatz von so viel Leid, Verzweiflung und Diskriminierung war.

Auf einen sehr steilen Holztreppe steigen wir in den ersten Stock des Hauses, wo sich eine Ausstellung über die Judenverfolgung im Dritten Reich befindet.
Der Weg führt weiter über den Korridor zu der als Bücherschrank getarnten Tür, nach der wir im Hinterhaus sind, in dem Zimmer, in dem Herr und Frau Frank und Margot schliefen. Annes Zimmer ist direkt nebenan.
An den Wänden sind noch Fotos von Annes Schwarm zu sehen, Greta Garbo und andere Schauspielerinnen.

Annes Zimmer ist genauso winzig wie die anderen Räume im Haus, auch Peter van Daans Zimmer mit dem einzigen Fenster, welches damals ohne Risiko geöffnet werden konnte, um die knappen Lebensmittel besser aufzubewahren.
In einem anderen Raum wurde noch eine Ausstellung gezeigt über Anne und ihr Tagebuch, das sie zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt bekommen hatte und bis zum 1. August 1944 schrieb, denn am 4. August 1944 wurde Anne mit ihrer Schwester Margot mit dem letzten Transport ins Konzentrationslager Bergen-Belsen abtransportiert, wo sie knapp zwei Monate vor der Befreiung kurz nacheinander an Typhus starben, zwei Jahre voller Angst, aber auch Hoffnung begraben wurden.

(c) Anne Frank Museum

Durch einen sehr genau nachempfundenen Video-Film über das Leben der Untergetauchten wurde die Schwierigkeit zurechtzukommen und auch die Angst, entdeckt zu werden nochmals stark zum Ausdruck gebracht.
Man konnte sich nach diesem Besuch sehr genau vorstellen, wie schlimm die Diskriminierung der Juden in dieser Zeit war und daß wir deshalb vor der heutigen Herabsetzung der Schwarzen in Südafrika zum Beispiel nicht einfach schweigen können. Eine kleine Sonderausstellung zeigte noch die Arbeit von "ai" im Kampf um die Menschenrechte.

Für 15 Uhr war noch eine Grachtenfahrt vorgesehen, doch da so tolles Sommerwetter war, gaben wir das dafür vorgesehene Geld für Tretboote aus und "betraten" die Grachten somit höchstpersönlich, unsere Grachtenfahrt endete mit einer ziemlich feuchten Wasserschlacht, an der sich die Lehrpersonen ebenfalls beteiligten.

Es war schon spät geworden und wir hatten ja noch eine lange Fahrt vor uns (mit dem netten Busfahrer Arne, es saßen so auffällig viele Mädchen in den ersten Busreihen, die bei der Hinfahrt da nicht gesessen hatten!!)
Alle waren froh, daß wir Hilden wieder heil erreicht haben, denn es war schon sehr anstrengend, aber auch sehr lohnenswert !

Xenia Monreal, 8 c

Stand: 19.01.2003
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