Der Meister himself


Erinnerungen
an die Menschen
"at Fabry`s"

Ein Nachruf und mehr für Julius Boden

Julius Boden 1992 Am 27. April 2002 verstarb in Hilden im 91. Lebensjahr Julius Boden, ehemaliger Lehrer an der Wilhelm-Fabry-Schule.

Seit 1959 bis zum Eintritt in den Ruhestand war er u.a. als Fremdsprachenlehrer tätig und verdiente sich durch seine unbeirrbare Art den Respekt der Schüler und Kollegen.

Da er auch im Kollegium zu den "älteren Semestern" gehörte, waren unterschiedliche Einstellungen zu den Problemen des Schulalltags zwangsläufig, aber irgendwie auch den Horizont erweiternd.

Durch die Website "Fabry and friends", dem Internet-Treffpunkt der ehemaligen LehrerInnen und SchülerInnen der bekannten Lehranstalt, ist es jetzt möglich, dauerhaft diesem Pädagogen zu gedenken.
Und das wollen wir mit Beiträgen aus unterschiedlichen Federn tun. Wer Weiteres beizutragen hat, möge sich bei mir melden.

Dietmar Jendreyzik, Schüler von 1956 - 1962


Oxford-Englisch und die respektlosen Fabryaner
oder
Der aussichtslose Kampf um die Reinheit der (Aus)Sprache

Fremdsprachenkenntnisse waren und sind ein sehr bedeutender Bestandteil des Bildungsangebotes unserer früheren Schule. Mit Dankbarkeit können wir zurückblicken auf Pädagogen, die sich in besonderem Maße darum mühten, uns viele Sprachen anzubieten (z.B. auch Niederländisch und Russisch durch Herrn Kauls). Ich glaube, dies war ungewöhnlich für eine Realschule, aber nicht ungewöhnlich für unsere Schule, die Städtische Knaben-Realschule Hilden (ab 1960: Wilhelm-Fabry-Realschule).

Ab 1959 kam Herr Julius Boden, als neuer Fremdsprachenlehrer an die Schule, der gleichzeitig Klassenlehrer der 4 b war, die dann 1962 entlassen wurde. Diese Schüler hatten drei Jahre Englisch- und ein Jahr Französischunterricht bei Herrn Kauls im Kopf, so daß der Neue gute Vorkenntnisse erwarten konnte.

Dies war das Positive, mit dem er umgehen durfte. Aber der bedrückend negative Einfluß, den er nach kurzer Zeit "bekämpfen" mußte, war die Anwesenheit eines Lancashire Regiments der britischen Besatzungsmächte in der Stadt. Diese Soldaten waren nicht in der Kaserne "eingesperrt" sondern lebten mit ihren Familien in der Stadt, zwar hier und da ein wenig gehäuft, aber immerhin in "freier Wildbahn".

Und in diesen Familien gab es Töchter, die durchaus daran interessiert waren, deutsche Freunde zu haben, um - vielleicht auch - Deutsch zu lernen oder so. Der prägende Einfluß dieser Mädchen auf unsere Aussprache (massiert in der 4b ff. z.B. durch Claire) war derart massiv, daß es Herrn Boden erschütterte. Seine Liebe zum Oxford-Englisch brach sich an der Realität des Sprachgebrauches durch Briten aus Lancashire und dem Rest der englischsprachigen Welt.

Leicht verzweifelt mußte er mit ansehen resp. -hören, wie seine Schüler bedenkenlos umschwenkten weg von der Sprache der britischen Königin hin zum klassischen Alltagsenglisch auf Hildens Bürgersteigen.

Noch anstrengender wurde es für ihn, wenn Schüler auch noch Kontakt zu den vielen Soldaten in der Kaserne bekamen und weitere britische Dialekte Einfluß nahmen.
Ich mochte besonders die wunderbar einfache Aussprache eines Schotten, der mit meinem Bruder befreundet war und eiferte natürlich, auch dies Brutalenglisch in Gebrauch zu nehmen, nur bei passender Gelegenheit zwar, aber immerhin.

Was sollte er machen ?
Das Anerkennen der "normativen Kraft des Faktischen" war nicht sein Ding, dafür war er nicht Pädagoge geworden. Also stemmte er sich in Wort und Tat dagegen und er- und verdiente sich seinen Spitznamen "Nobody" zu Recht.

Besonders ärgerlich erschien ihm unsere Aussprache des schlichten Wortes "Nobody". Auch aus der Ferne scheinen verschiedene Möglichkeiten der Betonung und Aussprache zu bestehen, ohne den Sinn zu entstellen. Weitgefehlt !
Ihre britische Majestät und Herr Boden bevorzugten die klassische Aussprache mit der Betonung und Dehnung auf der ersten Silbe. Dies sprach er uns mehrfach vor, indem er Daumen, Zeige- und Mittelfinder der rechten Hand zusammenlegte, bei der ersten Silbe auf die Zehenspitzen stieg und mit dem o.a. beschriebenen Fingergebilde nach oben zuckte.

Noobdy - Noobdy - Noobdy - so habe ich es noch im Ohr, so sollte es wohl auch sein. Was ums Verrecken war an unserer Aussprache aber verkehrt ? Naubaddy, Naubaddy, Naubaddy - Jeder hatte uns bisher verstanden, obwohl wir auf der zweiten Silbe betonten !

So wogte der "Kampf" zwischen dem Verfechter der reinen englischen Sprache und seinen "ungehörsamen" Schülern jahrelang unentschieden hin- und her.

Natürlich gab es noch viele andere aussprachliche "Schlachtfelder", aber sein Bemühen um das unscheinbare "Nobody" verschuf ihm Respekt, Anerkennung und seinen Spitznamen, seit 1959 bis hin zum letzten Tag.

In Dankbarkeit für alles gute Miteinander
Dietmar (gen. Friedhelm) Jendreyzik im Mai 2002

Julius Boden 1959 - 1992


Jules est arrivé !
von Uwe Adamski

Mit Bestürzung habe ich die Nachricht gelesen, daß Julius Boden, mein Englisch- und Französischlehrer der Jahre 1967 bis 1973, vor kurzem verstorben ist.

Viele meiner Klassenkameraden aus der 10b von 1973 werden sich noch an einen Lehrer erinnern, dessen pädagogische Grundhaltung aus heutiger Sicht vielleicht überholt scheint, man denke an die gelegentlich von ihm benutzte Trillerpfeife auf dem Pausenhof, um uns Rasselbande in Schach zu halten.
Unübertrefflich fand ich dagegen seine didaktische Methodik des "Manual", mit der er uns die grammatischen Grundzüge der beiden Sprachen in klarster, leichtverständlicher Form vermittelt hat. Dies waren vermittelte Kenntnisse, von denen ich heute noch zehre.

Darüber hinaus hat er viele von uns 10- bis 12jährigen in hervorragender Form an die Philatelie herangeführt, vor allem durch die großzügige Rotation seiner "Tauschalben" und gern gegebene Auskünfte auf diesem Gebiet. Auch hier hat seine Tätigkeit bei vielen, so auch bei mir, Nachwirkungen hinterlassen.

Noch heute höre ich den Ruf   "Jules est arrivé!", wenn ich an die Zeit kurz vor Beginn unserer Französischlektionen denke, was das Zeichen für "Funkstille" in unserer Rabaukenklasse war. Hier drückte sich eine Art von Respekt gegenüber unseren Lehrern aus, die heutigen Schülern oft abhanden gekommen zu sein scheint.

Wir werden das Andenken an Herrn Boden in Ehren bewahren.

Uwe Adamski

Stand: 09.11.2002

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