Der Meister himself


Memorabilien
an die Zeit
"at Fabry`s"

Spare in der Not, dann hast du in der Zeit !
oder
Die wundersame Vermehrung der Freunde

Vor vielen, vielen Jahren, als das Geld der Deutschen noch Mark hieß, auch so aussah und ein Fünfzig-Pfennig-Stück der Lohn für eine gute Klassenarbeit oder das Taschengeld für eine Woche war, wurde zur Charakterbildung oder so - von wem auch immer - das Schulsparen erfunden.

Ich erinnere mich:
Arbeitslohn gab es noch in Tüten auf die Hand des Arbeitnehmers und zum Sparen blieb eigentlich zu wenig übrig; da war die Einrichtung eines Sparbuches für arme, kaum geschäftsfähige Kinder schon ein anspruchsvolles Vorhaben.

Sicherlich war der Druck des Elternhauses groß, die hart erarbeiteten Groschen (für die jüngeren unter uns: Zehn-Pfennig-Stücke) als blanke Münze mit dem Aufdruck "Bank Deutscher Länder" einem Stempel- und nicht einem Kaugummi-Automaten anzuvertrauen.

Da ich wohl ein folgsamer Sohn war, beteiligte ich mich notgedrungen an diesem staatsbürgerlich (und für die Banken wirtschaftlich) wertvollen Vorhaben des Verzichtes auf Comics, Kaugummi, Eis oder Kinobesuch. Dabei hatte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard noch lange nicht zum Maßhalten aufgerufen !

Für die Verbreitung des Spargedankens mußten also Anreize geschaffen werden und die Stadt-Sparkasse Hilden mühte sich redlich.

Die wartenden Gewinner

So war ich auf einmal bei der Auslosung der Prämien dieses Sparens als Sieger dabei und gewann einen echten Lederfußball !
Deutschland war einige Dutzend Monate vorher Fußballweltmeister geworden, das sportliche Debakel 1958 in Schweden (Ich sage nur: Juskowiak) stand uns noch bevor, aber wir alle wollten doch Uwe Seeler, Fritz Walter oder Fritz Herkenrath werden.

(c) FOTO-NICOLAS, 22a Hilden-Meide / Dietmar J., Lehrer Gill, Sparkassendirektor B. Thewald

Wie wertvoll dieser Lederfußball gewesen sein muß, ergibt sich aus den Begleitumständen des Eigentumsübergangs.
Während der Schulzeit kamen zwei Herren der Stadt-Sparkasse (dunkler Anzug und Krawatte), Fotograf Nicolas von der Meide und Klassenlehrer H.G. Eckerth in die Musikstunde zu Lehrer Gill und überreichten mir unter Blitzlicht-Einsatz den nigel-nagel-neuen Ball.
Welch ein Traum, ein echter Lederfußball in der Hand eines Halbwüchsigen !

In freier Wildbahn zog dieser Ball nicht nur alle Blicke auf sich, sondern auch magisch jeden Straßenköter und die Jungs aus der direkten und weiteren Nachbarschaft an. Alleine spielt es sich nicht wirklich, so daß ich letztlich mitansehen mußte wie auch fremde Füße wesentlich Älterer meinen Ball malträtierten.

Wer mich kennt, weiß welche "begnadete linke Klebe" ich hatte und habe, so daß ich durch den Mitleidseffekt wenigstens im Tor mitspielen durfte.
So weit, so schlecht ! Kenner der Straßenfußballszene erinnern sich, daß man schon damals gerne nur auf ein Tor spielte, da auf dem Bolzplatz nicht genug Irre herumliefen, um ausreichend Torhüter zu haben.
Nun flog mir also mein eigener Ball ständig um die Ohren, mit Vehemenz getreten von sportlichen Halbstarken gegen einen Halbgaren.
Es kam, was kommen mußte: Einen scharf getretenen Ball direkt auf Mann konnte ich nicht abwehren, er traf mich punktgenau zwischen die Augen und die Erinnerung an das Geschehen beginnt erst geraume Zeit später wieder einzusetzen.

"Hey, Kipper, mach keinen Scheiss, steh auf ! Laß den Quatsch, wir sind gerade am gewinnen ! "

Selbstmitleid konnte so nicht aufkommen, der sportliche Ehrgeiz erwachte erneut und die Zahl meiner "Freunde" wuchs weiter, bis der herrliche, kostbare Lederball mangels fachmännischer Pflege und Spiel auf Schotterplätzen seinen Glanz und die Einsatzfähigkeit einbüßte.

Wie gewonnen, so zerronnen.
Diese Lehre aus der Einführung des Schulsparens will ich gerne ungefragt weitergeben oder wie der Philosoph sagt:
Wer schon nix hat, soll wenigstens sparen für die Zeit, wo er es nicht mehr braucht.

Vielen Dank für Ihr Interesse und erwiesene Geduld.
Dietmar Jendreyzik, Köln, ehemals Torhüter - kurzfristig mit eigenem Lederfußball - auf dem Bolzplatz an der Hochdahler Straße in Hilden

Stand: 19.05.2002

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