Der Meister himself


Memorabilien
an den Abschied
"at Fabry`s"

Schulentlassung 1962

Nachfolgende Texte stelle ich hier vor, wohlwissend, daß das Denken und Verhalten der Lehrer, Eltern und Schüler von vor 40 Jahren wohl das milde Lächeln der heutigen Generation hervorrufen wird.

Aber unsere Erinnerung an die Schulzeit (zumindest meine) ist überwiegend positiv und das nicht wegen Alzheimer oder so, sondern unsere Neugier auf das Unbekannte und Spannende im Leben verband sich wunderbar mit dem Bemühen unserer Lehrer, uns an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Die Nachkriegsgeneration der Lehrer und wir Schüler suchten gemeinsam unseren Platz in einem demokratischen neuen Deutschland.
Und ich denke: Wir haben es ordentlich bis gut gemacht !
1968 ff. wäre ohne den positiven Einfluß unserer Lehrer so nicht möglich gewesen ! Springerstiefel und Glatzen sind uns fremd geblieben, dafür sind wir zu wissend - auch dank unserer Lehrer !
So mögen zumindest die Sozialwissenschaftlicher Nutzen von diesen Seiten haben.

Dietmar Jendreyzik, Köln

Rheinische Post

Hilden.
In einer eindrucksvollen Feierstunde im Saal des Ev. Gemeindehauses vollzog die Wilhelm-Fabry-Realschule jetzt ebenfalls die Schulentlassung der beiden Abschlußklassen. Musikalische Darbietungen von Lehrern und Schülern, dazu Gedichtvorträge bereicherten die Feierstunde. In seiner Abschiedsansprache wandte sich Realschullehrer Boden, der für beide Klassenlehrer sprach, an die nun scheidenden 34 Schüler, indem er die Bedeutung des Tages als Wegscheide in ihrem Leben hervorhob.

Ev. Gemeindehaus Schulstrasse in Hilden
Foto: Karl-Heinz Sieger 2001

Die Jugend verlassen, so betonte er, mit der Schulzeit die Atmosphäre des "Behütetseins", in der ihnen die Verantwortung abgenommen wird. Nun treten sie in den Kreis der Erwachsenen ein und haben in der Folgezeit selbst Verantwortung zu übernehmen und eigene Entschlüsse zu fassen. Soziales und sittliches Verantwortungsbewußtsein sollten hier die beiden Leitgedanken bei allen Entschlüssen und Entscheidungen ihres weiteren Lebens sein. Abschließend dankte der Sprecher den Eltern für die verständnisvolle Zusammenarbeit in diesen sechs Jahren und gab ihnen die der Schule anvertrauten Söhne zurück.

Direktor an Huef faßte anschließend noch einmal alle guten Wünsche zusammen und händigte den scheidenden Realschulabsolventen ihre Abschlußzeugnisse aus. Rolf Kremer dankte im Namen der abgehenden Schüler der Lehrerschaft und dem Schulverein für alle Mühe, Aufopferung und Förderung, mit deren Hilfe sie nun ihr Schulziel erreicht haben. Im Namen der Elternschaft sprach Schülervater Scheelen abschließend Dankesworte.


Programm der Entlassungsfeier
am 17. März 1962

1. Sonate G-Dur (1. Satz) von Haydn    Klavier: Lehrer Gill
2. "Jugend", Gedicht von Hermann Claudius    P. Meyer (5a)
3. "Wacht auf!" Klein    Schulchor
4. "Für meine Söhne", Gedicht von Theodor Storm
      U. Sievers, J. Lindener, D. Dahlke (5a)
5. Sonate G-Dur (2.Satz) von Haydn    Klavier: W. Tauscher (3b)
6. "Höchstes Gebot", Gedicht von F. Hebbel    H. Ibowski (5b)
7. Abschiedsworte von Lehrer Julius Boden (für die Klassenlehrer)
8. "Die güldne Sonne", Ahle    Schulchor
9. "Wir Werkleute" Gedicht von Heinrich Lersch    Günter Scheib (5b)
10. Rezitativ und Arie aus dem Oratorium    Gesang: Lehrer Gill
      "Die Jahreszeiten" von Haydn   Klavier: M. Butz
11. Zeugnisverteilung durch Herrn Direktor an Huef
12. Sonate V in G-Dur für Violoine und Klavier von Haydn (1.Satz)
       Geige Lehrer Willhardt, Klavier ; Lehrer Gill
13. Abschiedsworte des Sprechers der Entlaßschüler Rolf Kremer (6b)
14. "Wer nur den lieben, langen Tag" (Rohwer)    Schulchor/Alle Schüler
15. Geleitworte des Vertreters der Eltern    Herr Scheelen
16. "Gebet" Gedicht von Frieda Jung    R. Kreyer (5a)
17. Sonate G-Dur (6.Satz) von Haydn    Klavier Lehrer Gill


Abschlußrede von Klassensprecher Rolf Kremer

Verehrte Gäste, hochverehrter Herr an Huef,
geschätztes Lehrerkollegium, liebe Mitschüler !

An diesem Tag verlassen wir, die Schüler der Klassen 6a und 6b, die Wilhelm - Fabry - Realschule, um ins Berufsleben einzutreten. Das ist ein Anlaß zugleich zur Rückschau als auch zum Dank.
Sechs Schuljahre liegen hinter uns; eine lange Zeit, wenn man sie vor sich sieht, doch heute fragen wir uns : Wo ist sie geblieben ? Daß wir den Schritt nicht unvorbereitet tun, dafür haben unsere Lehrer in der vergangenen Schulzeit gesorgt.
Sie haben versucht uns klarzumachen, daß wir nicht für die Schule, sondern für uns arbeiten. Es war bestimmt nicht immer leicht für sie; den bei ihren Belehrungen setzten wir oft einen dicken Kopf auf. Doch daß sie ihre Bemühungen nie aufgaben, dafür wollen wir heute danken.

Insbesondere waren es Herr an Huef, Herr Eckerth und unsere Klassenlehrer, die uns in den sechs Jahren in allen Nöten gute Helfer und Berater waren. Natürlich sind wir auch unseren Fachlehrern zu Dank verpflichtet.
Jetzt haben wir es endlich doch geschafft. Die einen treten in den Beruf ein, die anderen gehen auf weiterführende Schulen.
Oft waren wir im Unterricht gegenüber anderen Schulen benachteiligt.
Teils fehlte es am Platz, teils an den nötigen Geräten, was sich besonders im Physik-, Chemie- und Biologieunterricht bemerkbar machte. Aber unser Schulverein hat sich doch immer bemüht, uns einige Vergünstigungen zu schaffen. Wir Abschlußklassen hatten in diesem letzten Jahr deren viele durch die Unterstützung bei unseren vielen Besichtigungsfahrten.

Und wenn wir auch nicht mehr in den Genuß kommen, so freuen wir uns doch, daß in einigen Monaten die Schule am Holterhöfchen fertig sein wird und dann das Übel der Raumnot beseitigt ist.
In diesem letzten Jahr hatten wir noch die besondere Aufgabe, den unteren Klassen als Vorbild zu diesen. Oft war das nicht leicht für uns, aber wir hoffen, daß wir unsere Pflicht zur Zufriedenheit des Lehrerkollegiums getan haben.

Recht herzlich danken möchten wir Herrn Direktor an Huef, der keine Mühe scheute, um uns immer das Beste zu bieten, so auch die Aufenthalte in den Jugendherbergen, die uns mit den herrlichen Tagen erstmals ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln.

Wir haben soeben unser Abschlußzeugnis erhalten und sind damit aus der Schule entlassen. Wohlgerüstet treten wir in das Leben in der Öffentlichkeit ein. Damit beginnt ein neuer wichtiger Abschnitt in unserem Leben. Doch ist der vergangene nicht aus der Welt geschafft, und wir werden gerne an diese Zeit zurückdenken.
Wir wünschen unseren Lehrern, daß sie noch viele Schüler bis zur Entlassung bringen können.

Stand: 14.05.2001

[zurück]