Der Meister himself


Memorabilien
an die Zeit
"at Fabry`s"

Faust I

Annäherung an ein Hauptstück deutscher Literatur

Ich denke, es war 1961 - 1962 in der 6. Klasse (heute Klasse 10), da wurde eine Arbeitsgemeinschaft in den Nachmittagsstunden angeboten, die wahrscheinlich Pflicht war und zu unserer gründlichen Ausbildung im Fach Deutsch gehörte.

Über Monate hin haben wir uns mit der Tragödie FAUST, einem Hauptwerk deutscher Literatur beschäftigt.

Wir haben gelesen, gedeutet, verstanden oder auch nicht, und wir haben die Sprache des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe kennen- und bewundern gelernt, dem es wie keinem Zweiten gegeben war, in kurzen Versen, Präzision im Denken und Reden nachzuweisen, die zuweilen atemlos machte.

Bei mir hat der Umgang mit diesem Werk eine grundsätzliche Zuneigung zu Gereimtem hinterlassen. Und es befindet sich auch im Langzeitgedächtnis ein kleiner Fundus an Zitaten, die geflügelte Worte geworden sind, auf die man zur Überraschung Dritter gelegentlich zurückgreifen kann.

Nun ist aber das Wissen um dies Werk und seinen Sprachgebrauch im deutschen Volk so zurückgegangen, daß man dabei durchaus wie ein "Barbar" angesehen wird, der Unverständliches brabbelt.
Sie werden zugeben, das Zitieren der erstaunten Worte des Herr Dr. Faust:
" Das also war des Pudels Kern !" kommt doch besser an als: "Boooh eeey !"

Was wußten wir Grünschnäbel von der Liebe, die das Fräulein Margarete in ein Elend stürzte, vor dem nur Schaudern angemessen ist und Trost dringend erforderlich macht:
"Sie ist gerichtet!" "Ist gerettet!"

Dabei muß ich gelegentlich an Gretchens Frage denken: "Nun sag`, wie hast du`s mit der Religion ! " wenn Politiker vereidigt werden, wie in diesen Tagen im Land der Dichter und Denker.

Letztendlich gehörte zum passenden Abschluß der Deutsch - AG der gemeinsame Kinobesuch, um Gustav Gründgens 1960 verfilmte Inszenierung des FAUST I für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg zu erleben.
Will Quadflieg als Faust, Gustav Gründgens als Mephisto, Elisabeth Flickenschildt als Marthe und Ella Büchi als Gretchen haben uns in ihren Bann geschlagen, so daß mittlerweile das Kaufvideo dieses Filmes zu meinen Schätzen gehört, das bei passender Stimmungslage seine Wirkung nicht verfehlt.

Wahrscheinlich hat diese Inszenierung, dieser eindrucksvolle Film, eine ganze Generation Deutscher stolz gemacht auf ihre Heroen des Geistes und der Sprache.
Die inzwischen eingetretene VerMacDonaldisierung des öffentlichen Sprachgebrauches läßt unsere heutigen Meister der Sprache soweit ins Hintertreffen geraten, daß man Sorge hat, ob wir in einem weiteren Jahrzehnt noch ein Gespräch zwischen den Generation in Gang bringen können.

Ich laß mal das Jammern und freue mich einfach über den umfassenden Unterricht in unserer Muttersprache, den ich bei Herrn Eckerth erfahren durfte.

Dietmar Jendreyzik, Köln
Abschlußjahrgang 1962

Stand: 10.11.2002
[zurück]