Der Meister himself


Aus der Chronik der
Klasse b von 1957 - 1963
der Wilhelm-Fabry-Realschule Hilden

Auf Schatzsuche

Mit großem Vergnügen lese ich in der Chronik der Klasse b von 1957 - 1963, die in dankenswerter Weise als Nachdruck von Rainer Ibowski (jetzt Kanada) zum 40. Entlaßjubiläum 2003 vorgelegt wurde.

Viele der erwähnten Ereignisse betreffen auch meine Klasse b von 1956 - 1962 und sogar mich persönlich, so daß das Erinnerungsvermögen angeregt wird, mich ein gelegentliches Schmunzeln überfällt und natürlich die Frage aufkommt: Wie ist der heutige Schulalltag ?
Wie sehen die heutigen pädagogischen Bemühungen aus, innerhalb von sechs Jahren aus Kindern lebentüchtige Jugendliche "zu formen" ?
Gerne würde ich hierzu etwas von den heutigen Lehrern erfahren.

Die untenstehenden Ereignisse aus der Chronik habe ich in der zeitlichen Reihenfolge belassen. Größere Veranstaltungen wie Schul- und Klassenfahrten werden einzeln aufbereitet. Das dazu vorliegende Bildmaterial ist unglaublich spannend.
Who is who ? wird uns noch beschäftigen müssen.

Nun aber einige erstaunliche, freudige, traurige und immer interessante Details aus sechs Klassen- und Lebensjahren einer Handvoll Fabryaner.
Dem Lehrer Erich Gill sei heute noch gedankt, daß er das Führen der Chronik zur Aufgabe der Klasse machte und damit einen kleinen Schatz notierter Zeitgeschichte schaffen ließ.

Dietmar Jendreyzik, Köln im Frühsommer 2003

Schuljahr 1957 - 1958

Hitzeperiode
Nach den Pfingstferien herrscht eine furchtbare Hitzeperiode. Wären am liebsten in der Badehose zur Schule gekommen. Auch unsere Lehrer nahmen darauf Rücksicht, und wir hatten meistens die letzten Stunden Hitzefrei und wenig Schulaufgaben auf. Wir waren kaum fähig zu arbeiten.

Hochwasser 23. September 1957

(c) Stadtarchiv Hilden An diesem Tage brauchten wir nicht auf den Wecker zu warten, denn wir wurden schon früh von der Sirene aus dem Schlaf gerissen. Als wir zur Schule gingen, regnete es in Strömen. An allen Ecken stand schon das Wasser. Die Mittelstraße war zu seinem Bach geworden. Die Unterführung stand unter Wasser.
An allen noch vom Wasser freien Straßen mußte man minutenlang warten, denn der ganze Stadtverkehr zwängte sich durch diese Straßen. Als wir endlich völlig durchnäßt in der Schule ankamen, wurden wir gleich wieder umgeschickt, damit wir keinen Schnupfen bekamen.



12.12.1957 - Tag der Hausmusik

An diesem Tag veranstalten wir zum Tag der Hausmusik eine kleine Feier. Schon vorher hatten wir zwei Chöre zusammengestellt und damit geprobt.

Nun führten sie zwei Lieder auf. Herr Gill spielte dann auf dem Klavier und Schüler spielten auf Klavier, Geige, Flöten, Mundharmonika und Akkordeon.

Es klappte alles großartig. Anschließend machten die Lehrer eine Besichtigungsfahrt., Sie besichtigten drei Realschulen in der Umgebung.


Schuljahr 1958 / 1959

12.7.1958 - Repitilienschau

An diesem Tage kam der frühere Zirkus Renz mit seiner Reptilienschau zu uns in die Schule. In der Turnhalle wurden die Käfige aufgebaut. Auf einer Tafel waren die verschiedenen Reptilienarten erklärt. Man zeigte uns zuerst Eidechsen und Salamander.
Wir durften sie selbst in die Hand nehmen. Dann wurden uns Nattern gezeigt. Auch diese gingen von Hand zu Hand. Danach zeigte man uns die Giftschlangen Deutschlands.
Nach dieser Reptilienschau gingen wir ins Schwimmbad.

Micky-Maus-Heftkontrolle

Am 14.2.1959 führte Herr Gill bei uns in der Klasse eine Micky-Maus-Heftkontrolle zum Kampf gegen die Schundliteratur durch. Er fand einen Packen Hefte und einen sehr schweren Wildwester.

Schuljahr 1959 - 1960

Besuch der Ausstellung "Technik und Mensch"

Am 7.9.1959 besuchten wir die Ausstellung: Technik und Mensch. Sie war in einem silbernen Zug untergebracht, der auf dem Bahnhof stand. Wir sahen Raketenmodelle, einen gläsernen Menschen und vieles andere. Danach hatten wir schulfrei.

Filmbesuch im Corso-Kino

Am 5.10.1959 gingen wir in der 5. Stunde zum Corso-Kino. Wir sahen dort 2 Filme vom Tierschutzverein. Zuvor wurden noch Buchpreise für den vorjährigen Kalenderverkauf verteilt. Unsere Klasse bekam 3 Bücher. Jeder hatte einen Wert von 10 DM.
Die Bücher hießen: "Tiger und Mensch" (Bengt Berg), "Meine Freund, der Regenpfeifer" (Bengt Berg), der "Natur- und Tierfreund" (Jahrbuch)



16.11.1959 Volkstrauertag

An diesem Tag hatten wir schulfrei. Doch mußten wir des Morgens am Friedhof sein, wo wir dann Blumen an Gräbern von Soldaten niederlegten. Danach gingen wir ins Jugendheim, wo wir einen Lichtbildervortrag über Ungarn ansahen. Es war sehr schön.

28.11.1959 Schillerfeier

An diesem Tag hatten wir die beiden letzten Stunden frei, denn des Nachmittags fand eine Feier zu Ehren Friedrich von Schillers statt. Einige Schüler der Oberklassen trugen Werke des Künstlers vor. Es gefiel uns allen sehr gut.

19.12.1959 Filmbesuch

Am 19.12. gingen wir in Gloria-Theater. Wir sahen den Film: Herrscher des Urwalds. Er erzählte über das primitive Leben der Urwaldvölker in Belgisch-Kongo.

Filmvorführung des Tierschutzvereins

Wir gingen nach der 4. Klasse zum Corso-Kino. Dort sahen wir den Film: "Kein Platz für wilde Tiere" von Dr.....(wahrscheinlich Grzimek). Er erzählte uns, wie der Mensch immer mehr die Tiere zurückdrängt und alles, was ihm vor die Flinte kommt, rücksichtslos abknallt.
Der Film sollte uns allen eine Mahnung sein !

Schuljahr 1960 -1961

In stiller Trauer
Am Mittwoch, den 22. Juni 1960 schied von uns, nach langem schwerem Leiden, unser Freund und Schulkamerad Heinz Schulte im 13. Lebensjahr.

Namensgebung unserer Schule

Seit der Gründung unserer jungen Schule im Jahre 1955, rangierte sie unter den Volksschulen, dem Gymnasium und einigen Privatschulen einfach als Städtische Knaben-Realschule Hilden.
Nun heute, am 8.10.1961 erhielt unsere Schule, die zugleich ihre Vollzähligkeit feierte, ihren richtigen Namen.
Auf die Bitte unseres Lehrerkollegiums wurde sie nach einem berühmten Sohn unserer Vaterstadt Hildens Fabricius Hildanus benannt.
Er lebte im 16. Jahrhundert und war einer der bedeutendsten Chirurgen seiner Zeit. Nach ihm wurde nun unsere Schule in die Wilhelm-Fabry-Realschule umgetauft.
Aber ehe man in Hilden die Städt. Knaben-Realschule vergißt, wird bestimmt noch eine Zeit vergehen.

Inschrift der Gedenktafel in der Schule

Dem bedeutenden Menschen zum Gedenken
Hildens Bürgern zur Erinnerung
unseren Jungen zum Ansporn
verlieh der Rat der Stadt Hilden dieser Schule
im Fabry-Jubiläumsjahr 1960 den Namen Wilhelm-Fabry-Realschule

Die erste Abschiedsfeier unserer Schule

Heute, am 18. März 1961 erlebte man in unserer jungen Schule die erste Abschlußfeier. Nach dem Einzug der beiden Sechsen in das evangelische Gemeindehaus, hielt Herr an Huef seine Begrüßungsrede an die Eltern, an das Lehrerkollegium und besonders an die zu entlassenen Schüler. Nach 6 Jahren Stühle und Bänke drücken, wurde ihnen heute das Abschlußzeugnis der Mittleren Reife übergeben.

Zu Beginn der Feier spielte Lothar Bochem einen Klavierstück von Händel. Er begleitete auch Herrn Gill bei dem Lied "Der Kreuzzug", während er bei dem Lied "Die Uhr" von Manfred Butz auf dem Klavier begleitet wurde. Nach einigen Gedichten von Schülern der Klasse 5 vorgetragen, sang der Chor unter Leitung von Herr Gill "Was einer ist".

Dann sprachen die Klassenlehrer von den beiden Klassen. Herr Eckerth stellte uns die beiden Gegensätzlichkeiten in ein anderes Licht. Herr Kunstmann, Klassenlehrer der 6 b, stellte dann die Frage, weshalb die Schüler so gern an ihre Schulzeit zurückdenken.

Nach Vorträgen und Abschiedsreden der Klassenlehrer, sprach der Sprecher und Vertreter der Schüler den Lehrern Dank aus, die sich 6 Jahre Schulzeit so viele Mühe mit ihnen gemacht hätten. Dann beschloß der Chor (die) Feierstunde mit "Lobt froh den Herrn".

Schuljahr 1961 - 1962

Wandertag

Am 15. April 1961 hatte unsere Schule den Wandertag. Gleichzeitig zog unsere Schule in das alte Gebäude der Mädchenrealschule um. Ein Teil unserer Klasse, sowie die Klassen 6 mußten beim Umzug helfen. Der andere Teil der Klasse sollte mit Herrn Becker in die Ohligser Heide wandern.

Pünktlich waren wir um 8.30 Uhr versammelt. Nur einer fehlte: Herr Becker !
Nachdem wir eine Zeit gewartet hatten, wurde beschlossen, ebenfalls beim Umzug zu helfen. Leider hinderte uns auf dem Weg dorthin eine Eisdiele am Weitergehen.
Endlich konnten wir uns um 9.45 Uhr am Umzug beteiligen. Jeder durfte einen Stuhl tragen, dann war der Wandertag beendet.

Letztes Schuljahr 1962 - 1963

Schillervortrag

Der 17. April 1961 brachte uns einen Schillervortrag. Der Schauspieler Eggers aus Düsseldorf trug einige Balladen und Gedichte von Schiller vor. Im Rahmen des Vortrags erzählte er einiges aus dem Leben Schillers.
Der Vortrag paßte gut in das Unterrichtsprogramm, da wir uns gerade im Deutsch-Unterricht mit der deutschen klassischen Literatur beschäftigen.

Gang auf den Friedhof

So wie jedes Jahr gingen wir am 18. November auf den Friedhof. Es ist nun schon bei uns zur Sitte geworden, im November Hildener Kriegsgräber zu schmücken.

Zur Konzilseröffnung

(Am 11.10.1962) bekamen wir heute durch einen ministeriellen Beschluß schulfrei, damit wir die Möglichkeit hatten, am Fernsehapparat diesem bedeutungsvollen, für uns einmaligen Geschehen beizuwohnen.

Wirtschaftsmuseum

Am nächsten Tag, also am 10.10.1962, statten wir dem Wirtschaftsmuseum. (.. einen Besuch ab ?) Hier kann man beinah alles über die Wirtschaft, den Verkehr und die Bevölkerung Nordrhein-Westfalens erfahren. Leider aber war das Museum gerade im Umbau begriffen, so daß wir nicht alles geordnet vorfanden.
Im Keller des Museums ist ein Stollen in natürlichen Maßen aufgebaut, der einen kleinen Einblick in die Arbeit unter Tage gewährt. Gegen Mittag waren wir schon wieder in Hilden.

Sonderferien

Das hatten wir bisher noch nicht erlebt. Von 18 Lehrern waren 10 krank, darunter auch unser Klassenlehrer. So verhalf uns die Grippewelle zu einigen gemütlichen Tagen.
Am Donnerstag hatten wir ganz frei, dann fielen mal 2 oder 3 Stunden aus, dann wurden Vertretungsstunden gegeben. Das zog sich noch bis Anfang Februar hin.

Letzter Schultag

(c) Bernd Meier Heute am 13.3.1963 war unser letzter Schultag auf der Wilhelm-Fabry-Realschule.

Als Symbol für die beendete Schulzeit verbrannten wir eine lebensgroße Puppe, die "den letzten Pauker" darstellt.

Unter ihr hatten wir einen Scheiterhaufen aus alten Heften errichtet. Mit einer Flasche Benzin löste sich alles in Rauch auf.


Stand: 03.05.2003

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